Jakob Lorber

Die

 Liebe

 

 


Urgrund

allen

Lebens

 

 

 

 

 


 

 

 


 

 

Die Liebe ist der Urgrund und die Grundbedingung

aller Dinge.

Ohne Liebe wäre nie ein Ding erschaffen worden, und ohne

die Liebe wäre so wenig irgendein Dasein denkbar,

als wie wenig sich je ohne die wechselseitige Anziehungskraft

eine Welt nach dem Willen des Schöpfers gebildet hätte.

Wer das etwa nicht fassen sollte,

der denke sich nur von einer Welt die wechselseitige

Anziehungskraft hinweg, und sobald wird er sehen,

 wie sich alle Atome einer Welt plötzlich voneinander trennen

und sich verflüchtigen werden wie ins Nichts.

Also ist die Liebe der Grund von allem und ist zugleich

 der Schlüssel zu allen Geheimnissen.

 

Geistige Sonne 2 Band 80;12

 

 

 

 


Die Gottesliebe

Haush. Gottes 1Band 3;3-5

Die Menschen dieser Erde rief Ich aus dem Zentrum Meines Herzens hervor und schuf sie vollkommen nach Meinem Ebenbilde, und sie sollten nicht nur Meine Geschöpfe, sondern Meine lieben Kinder sein, die Mich nicht als Gott und Schöpfer, sondern nur als ihren guten Vater erkennen sollen, der sie nach kurzer Prüfungszeit wieder ganz zu Sich nehmen will, damit sie da alles haben sollen, was Er Selber hat, und bei Ihm wohnen möchten ewiglich und mit Ihm herrschen und richten möchten das All. Aber siehe, alle Meine Geschöpfe lieben Mich als ihren Schöpfer in dankbarer Freude ihres Daseins; aber Meine Kinder wollen ihren Vater nicht und verschmähen Seine Liebe!

Siehe, Ich bin traurig, wenn Ich sehe, wie stündlich Tausende und tausendmal Tausende dahinwelken und sterben! Oh, wenn Ich ihnen doch nur helfen könnte! Ist es nicht traurig, wenn der Allmächtige nicht helfen kann?!

Du fragst Mich schon wieder, wie denn das möglich sei? O ja, sage Ich dir, das ist sehr möglich! Siehe, alle Meine Geschöpfe hängen an Meiner Macht, aber Meine Kinder hängen an Meiner Liebe! – Meine Macht gebietet, und es geschieht; aber Meine Liebe wünscht nur und gebietet in aller Sanftmut den freien Kindern, und die freien Kinder verstopfen ihre Ohren und wollen nicht das Angesicht ihres Vaters schauen. Daher, weil sie frei sind, wie Ich es bin, kann Ich ihnen nicht helfen, wenn sie es nicht wollen. Denn Meine Macht geht über alles; aber Mein Wille ist Meinen Kindern untertan. Dieses aber soll sich jeder hinter die Ohren schreiben: Ich bin euer Vater, bin aber auch euer Gott, und außer Mir ist keiner mehr. Wollet ihr Mich als Vater – oder als Gott? Eure Taten werden Mir die entscheidende Antwort geben.

 

 

 


Geistige Sonne 1 Band 98;4-5

Der einzig und allein Mir teure und wertvoll angenehme Dank ist ein Mich allzeit über alles liebendes Herz. Ich sage dir, kein Dankopfer, kein Dankgebet, kein Dankgelübde, keine Dankprozession, kein Te Deum laudamus, kein Jubelfest und keine große Dankzeremonie ist Mir angenehm, sondern Ich habe davor einen Ekel wie vor einem stinkenden Aase oder wie vor dem Moderfleische in den Gräbern welches ist voll Gestank und Pestilenz. Aber ein demütiges, Mich allzeit liebendes Herz ist Mir ein unschätzbar köstlicher Edelstein in der unendlichen Krone Meiner ewigen göttlichen Macht und Herrlichkeit und ist Mir auch wie ein Balsamtropfen in Mein liebeheißes Vaterherz gegossen, der Mich über die Maßen erquickt und die Freude Meiner ganzen unendlichen Gottheit ums für dich und vor dir Unaussprechliche erhöht!

Daher bleibe du in deiner Liebe zu Mir und suche ewig nichts anderes, so bist du Mir alles, was du sein sollst, und Ich werde dir auch alles sein, was Ich dir nur immer als dein Gott, Schöpfer, und ewig liebevollster Vater sein kann! Liebe ist das einzige Band zwischen Mir und dir; sie ist die allein wunderbar allmächtige Brücke zwischen Mir, dem ewig allmächtigen, unendlichen Schöpfer, und dir, Meinem endlichen Geschöpfe. Auf dieser Brücke kann Ich zu dir und du zu Mir kommen, wie da kommt ein lieber Vater zu seinen Kindern und die Kinder zu ihrem lieben Vater.

 

 

 


Großes Ev, Joh. 3Band 53;5-10

Gott über alles lieben aber heißt natürlich: Gott und Seinen geoffenbarten Willen erkennen und dann aus wahrer innerer Liebe zu dem erkannten Gott danach handeln und sich daneben gegen jeden Nebenmenschen wegen Gott also verhalten, wie sich ein jeder vernünftige Mensch gegen sich selbst verhält; natürlich ist hier von der reinen und in möglichst höchstem Grade uneigennützigen Liebe, sowohl gegen Gott als eben auch gegen jeden Nächsten, die Rede.

Wie alles Gute einzig darum geliebt werden will, weil es gut ist und darum wahr, so will auch Gott geliebt sein, weil Er allein höchst gut und höchst wahr ist!

Dein Nächster aber muß darum ebenalso geliebt werden, weil er gleich dir das Ebenmaß Gottes ist und gleich wie du einen göttlichen Geist in sich trägt.

Siehe, das ist der eigentliche Grundkern seiner Lehre, und er ist leicht zu beachten, ja um sehr vieles leichter als die tausend Gesetze des Tempels, die zumeist vom Eigennutz der Diener desselben angefüllt sind.

Durch die möglichst genaue Beachtung dieser neuen Lehre wird der im Menschen anfänglich sehr gefesselte Geist freier und freier, wächst und durchdringt endlich den ganzen Menschen und zieht sogestaltig alles in sein Leben, das ein Leben Gottes ist und daher ewig dauern muß, und zwar in der möglichst höchsten Seligkeit!

Ein jeder Mensch aber, der also gewisserart in seinem Geiste wiedergeboren wird, wird nimmer einen Tod sehen, noch fühlen oder schmecken, und die Loswerdung von seinem Fleische wird ihm die höchste Wonne sein.

 

 

 


Haush. Gottes 2Band 232;14-24

Ich setze den Fall, ein Vater sehr vornehmen Standes, etwa wie ein Fürst einer der zehn Städte, hätte mehrere Kinder. Diese Kinder wissen die Ordnung, wie sie sich zu ihrem Vater begeben dürfen, nämlich ganz geziemend geschmückt, gemessenen Schrittes, die Hände kreuzweise über ihre Brust gelegt und das Haupt demütigst zum Boden gesenkt.

Wenn diese Kinder also vor den fürstlichen Vater kommen, da belobt er sie und entläßt sie dann. Eines unter den Kindern, ein rüstiger Knabe, aber ist ganz keck, erscheint nicht mit den abgerichteten Kindern – denn solches bringt er nicht über sein Herz, welches den hohen Vater zu sehr liebt –, sondern kommt ganz allein zum Vater gerannt, ist sonst auch mehr nachlässig in seiner Kleidung.

Wenn aber dieser Knabe den Vater ersieht, da breitet er seine Arme aus, umfaßt ihn mit aller kindlichen Liebeglut und schreit dabei: ,O Vater, Vater! Du mein lieber Vater, wie sehr doch liebe ich dich! Siehe du, mein herrlicher, lieber, guter Vater, ich liebe dich zu sehr, als daß es mir möglich wäre, mich vor dir in den gesetzlichen höflichen Schranken zu bewegen! Ja, ich will eher sterben, als vor dir, o mein Vater, meinem Herzen einen unterdrückenden Liebezwang antun!‘

Ich setze aber nun den Fall, du wärest der Vater solch eines Kindes, was würdest du, rein nach deinem Vatergefühle geurteilt, da einem solchen Kinde wohl tun?

Du sprichst: ,Oh, das würde ich auch über die Maßen lieben! Gut geantwortet! Ich sage dir aber, gerade ein solcher Vater bin Ich auch! Wer demnach auch zu Mir kommt wie dieser kecke Knabe, alle die zahllosen törichten Höflichkeitsschranken übersteigend, der wird auch Mir der allerliebste Sohn sein!

Gott kannst du für Sich nicht lieben; aber den Vater kannst du lieben gleich dem kecken Knaben, und Gott als der Vater wird dann dich auch mit aller Macht Seiner Liebe ergreifen und wird dich setzen in Seinen Schoß als ein wahres Ihm über alles teures Kind, und wird all den andern dann deinetwegen gnädig sein und ihnen erlassen die leere Höflichkeit!

Siehe, das ist die rechte Liebe; solche also beachte! Amen.“

 

 

 


Großes Ev, Joh. 6 Band 138;11-17

Ich (Jesus) sage es euch: Die wahre und reine Liebe ist das heilig-edelste Feuer; dieses vermag alles. Es ist der beste Koch, der beste Wirt, die beste Würze aller Speisen und die beste Speise selbst. Wahrlich, wen die reine Liebe nährt, der ist wahrhaftig wohl genährt, und wen sie sättigt, der wird keinen Hunger haben in Ewigkeit! So euch solche Liebe beleben wird, da werdet ihr ewig nie einen Tod fühlen noch schmecken. Darum befleißiget euch solcher reinen Liebe zu Gott und zu euren Nächsten; denn diese Liebe wird euch alles geben, was euch überselig machen kann! Wie aber diese Liebe beschaffen ist, das habt ihr in den vergangenen drei Tagen vernommen, und so habe Ich euch darüber nichts Weiteres zu sagen.“

Hier dankten Mir alle für diese Belehrung und versprachen Mir feierlichst, in solcher Liebe so groß wie möglich zu werden.

Da sagte aber einer der drei Weisheitspriester: „Wie möglich aber kann ein sterblicher, materieller Mensch einen ewig unsterblichen und rein geistigen Gott lieben? Würde ein Gott solch eine Keckheit einem Menschen nicht im höchsten Grade verargen? Was würde schon ein irdischer König sagen, so unsereiner ihm einen Liebesantrag machte? Was ist aber ein König gegen einen Gott!“

Sagte Ich: „Ein dummer und höchst stolzer König, der aber seine Untertanen nicht erschaffen hat, möchte sich wohl eben nicht zu freundlich gebärden, so ihm ein ganz gemeiner und dummer Mensch käme und sagte: ,O großer König, ich fühle eine große Liebe zu dir! Steige herab von deinem hohen Throne, und lasse dich von mir umarmen und küssen!‘ Der König wird solch einen Menschen wohl ganz sicher für einen Narren ansehen und ihn durch seine Diener zur Türe hinausweisen lassen; und geht er nicht in gutem, so wird er sich schon eine Züchtigung gefallen lassen müssen. Aber so solch einem Könige die Untertanen eine wahrhafte tätige Liebe bezeugen werden, so wird er solche auch sicher ehest wiedervergeltend ganz gut aufnehmen und niemanden zur Türe hinausweisen lassen.

Gott, der ewig Wahre, aber ist nicht wie ein dummer Heide dieser Erde. Er Selbst ist pur Liebe und also auch die höchste Weisheit Selbst, als welcher und eben solcher Er auch alle Welten und die Menschen aus Sich heraus erschaffen hat. Da Er also Selbst pur Liebe ist, so will Er auch, daß alle Menschen Ihn vor allem über alles lieben sollen und dann aber auch – weil alle Menschen Sein Werk sind – sich untereinander, wie da ein jeder sich selbst liebt. Wenn aber Gott alle Menschen mehr denn als ein bester Vater seine Kinder liebt, warum sollen Ihn denn dann die Menschen nicht wieder über alles lieben, wenn sie Ihn einmal erst nur so recht erkannt haben?

Wahrlich, sage Ich euch: Ohne die rechte Liebe werdet ihr Gott nicht finden, Ihn nie recht erkennen und werdet euch sonach Ihm auch nie nahen können! Nur die Liebe zeigt euch den sicheren Weg zu Ihm, – euer Verstand aber ewig nie! Wer aber den Weg zu Gott nicht findet, der findet auch den Weg zu seinem höchsteigenen Leben nicht und wandelt darum im Finstern und auf den Wegen des Gerichtes und des ewigen Todes. Das merket euch von Mir; das andere werdet ihr nachher schon von Meinen Jüngern vernehmen.“

 

 

 

 


Die Nächstenliebe

 

Großes Ev, Joh. 7Band 223;10-13

Je mehr Liebe ein Mensch aber zu Gott und zum Nächsten in sich wird lebendig zu fühlen anfangen, und je barmherziger er in seinem Gemüte wird, desto größer und stärker ist auch schon der Geist Gottes in seiner Seele geworden. Denn die Liebe zu Gott und daraus zum Nächsten ist ja eben der Geist Gottes in der Seele des Menschen. Wie diese zunimmt und wächst, also auch der Geist Gottes in ihr. Ist am Ende der ganze Mensch zur reinen und allerwohltätigsten Liebe geworden, so ist auch schon die völlige Einung der Seele mit dem Geiste aus Gott erfolgt, und der Mensch hat für ewig das von Gott ihm gestellte allerhöchste Ziel des Lebens erreicht.

Gott Selbst ist in Sich ja die allerhöchste und reinste Liebe, und also ist es auch der jedem Menschen zukommende Geist aus Gott. Wird die Seele durch ihr freies Wollen ganz ähnlich der Liebe des Geistes aus Gott, so ist es dann ja auch klar, daß sie mit dem Geiste aus Gott in ihr eins wird. Wird sie aber das, dann ist sie auch vollendet. Nun, dafür aber läßt sich keine genaue Zeit bestimmen, sondern das muß der Seele ihr eigenes Gefühl sagen und anzeigen.

Die wahre, reine und lebendige Liebe ist in sich höchst uneigennützig; sie ist voll Demut, ist tätig, ist voll Geduld und Erbarmung; sie fällt niemals jemandem unnötig zur Last und duldet alles gerne; sie hat kein Wohlgefallen an der Not ihres Nächsten; aber ihre rastlose Mühe ist, daß sie helfe jedermann, der einer Hilfe bedarf.

 

 

 


Großes Ev, Joh.1Band 221;7-12

Leget eure Hände auf euer Herz und merket es, wie es in einem fort Tag und Nacht tätig ist! Von solcher Tätigkeit aber hängt ja das Leben des Leibes alleinig ab; so das Herz aber einmal stillzustehen anfängt, da – meine Ich – dürfte es etwa mit dem natürlichen Leben des Leibes wohl gar sein! Wie aber die Ruhe des leiblichen Herzens offenbar der volle Tod des Leibes ist, also ist auch die gleiche Ruhe des Seelenherzens der Tod der Seele!

Das Herz der Seele aber heißt Liebe, und das Pulsen desselben spricht sich in wahrer und voller Liebtätigkeit aus. Die unausgesetzte Liebtätigkeit ist demnach der nie zu ermüdende Pulsschlag des Seelenherzens. Je emsiger aber das Herz der Seele pulst, desto mehr Leben erzeugt sich in der Seele, und so dadurch ein hinreichend hoher Lebensgrad in der Seele sich erzeugt hat, so daß er dem göttlichen, allerhöchsten Lebensgrade gleichkommt, so weckt solch ein Lebensgrad der Seele das Leben des göttlichen Geistes in ihr.

Dieser – als pur Leben, weil die unermüdete höchste Tätigkeit selbst – ergießt sich dann in die ihm durch die Liebtätigkeit gleichgewordene Seele, und das ewig unverwüstbare Leben hat in der Seele seinen vollen Anfang genommen!

Und sehet, das kommt alles von der Tätigkeit, nie aber von einer faulen Ruhe her!

 

 

 


Großes Ev, Joh.1Band 43;4-9

Des Herrn Wort und Lehre ist gleich wie alle Seine Werke. Er gibt uns Seine Lehre in Samenkapseln; diese müssen wir erst säen ins Erdreich unseres Geistes, welches Erdreich da heißet Liebe, da wird der Same dann aufgehen und zu einem Baume der wahren Erkenntnis Gottes und unserer selbst werden, und wir werden von diesem Baume dann zur rechten Zeit vollreife Früchte zum ewigen Leben sammeln können.

Liebe aber ist das Erste; ohne diese gedeiht keine Frucht des Geistes! Säe in die Luft den Weizen; siehe, ob er wachsen und dir eine Frucht bringen wird! So du aber das Weizenkorn legest in ein gutes Erdreich, da wird es wachsen und dir vielfache Frucht bringen. Die rechte Liebe aber ist ein rechtes Erdreich für das geistige Weizenkorn, das uns aus des Herrn Munde erteilt wird.

Deshalb aber hob der Herr vor euch allen nunmehr das harte Mosaische Gesetz der Strafe auf, auf daß ihr in aller Bälde reicher werden sollet an gutem Erdreich in euren Herzen. Denn der da strafet nach dem Gesetz, hat wenig oder oft wohl auch gar keine Liebe; bei ihm wird der göttliche Wortsame sonach ganz schlecht gedeihen! Der aber gestraft wird, der befindet sich ohnehin im Gerichte, in dem keine Liebe ist, da das Gericht der Tod der Liebe ist.

Daher sollet ihr lieber an euren Nächsten die Fehler gar nicht sogleich ersehen, sondern mit ihnen nachsichtig und geduldig sein! Und so sie in ihrer Schwäche etwas von euch verlangen, so sollet ihr ihnen nichts vorenthalten, auf daß sich die Liebe in euch selbst und gleicherweise in euren schwachen Brüdern mehre! Wird diese einmal reichlich in euch wie in euren Brüdern vorhanden sein, so wird der göttliche Same wohl gedeihen in euch, und der Schwache wird dann in seiner Stärke euch wohl ansehen und euch vielfach vergelten, was ihr ihm in seiner Schwäche erwiesen habt.

So ihr aber karg seid und hart gegen eure schwachen Brüder, so werdet ihr selbst nie zu einer Gottesfrucht in euch gelangen, und das Gericht der Schwachen wird am Ende auch euch ins Verderben ziehen.

So der Herr sagte: ,Wer von dir verlangt den Rock, dem gib auch den Mantel hinzu!‘, da wollte Er bloß andeuten, daß ihr, die ihr reich seid und viel besitzet, den Armen, so sie zu euch kommen, auch reichlich und viel geben sollet! Denn dadurch werdet ihr dann auch sobald zu vielem Erdreich in euren Herzen kommen und sonach selig sein im Besitze solch wahren Erdreiches, und die Armen werden euch wahrhaft segnen; denn aus euren Herzen werden sie die tatkräftigste Predigt des wahren Evangeliums Gottes vernehmen und aus ihr selbst stark werden euch zur ewigen Stütze! Wann ihr aber karg gebet und rechnet, wann und wieviel ihr gebet, da nützet ihr damit weder euch noch den armen Brüdern, und diese werden euch darum nie zur Stütze werden.“

 

 

 


Großes Ev, Joh. 1Band 125;20-22

Wer immer da hat ein Vermögen und einen Besitz und hat ein Gewerbe, das ihm vielen Gewinn verschaffen kann, spart aber den Gewinn für sich und seine Kinder und schaut mit bittergesinnten Augen und Herzen herab auf die armen Brüder und scheut sich vor den armen Kindern, die aus Mangel an allen irdischen Besitztümern Hunger, Durst und Kälte leiden, und schafft sie von sich, so sie zu ihm kommen und ihn bitten um ein Almosen, und wer da sagt zu einem Bruder: ,Komme in einigen Tagen oder Wochen zu mir, und ich werde dir da tun dies und jenes!‘, so aber dann der hoffende und darauf rechnende Bruder kommt und erinnert den Verheißer, daß er nun da sei, darum er bestellt ward, und der Verheißer entschuldigt sich, daß er auch nun nichts zu tun imstande sei, hat aber geheim doch das Vermögen dazu, wahrlich, wahrlich, sage Ich euch: der ist ein Feind Gottes! Denn wie will er Gott lieben, Den er nicht sieht, da er doch seinen Bruder nicht liebt, den er sieht vor sich und kennt dessen Not!?

Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Wer seinen Bruder in der Not verläßt, der verläßt in einem – Gott und Himmel! Und Gott wird ihn verlassen, ehe er sich's versehen wird!

Wer aber seine armen Brüder nicht verläßt, auch dann nicht, so ihn Gott in eine Prüfung zöge, der soll aber denn auch gesegnet werden, ehe er sich's versehen wird, reichlicher zeitlich und ewig, als nun unseres Gastfreundes Speise- und Kornkammern gesegnet worden sind!“

 

 

 


Großes Ev, Joh. 3Band226;7-15

Denn dieser Mein Leib ist der Stellvertreter eurer Seelen; auf daß eure Seelen leben, muß er das Leben lassen, und das von ihm gelassene Leben wird ewig zugute kommen euren Seelen. Am dritten Tage aber wird auch dieser Mein Leib das Leben ganz verwandelt wieder nehmen, und die Überfülle Meines ewigen Geistes wird dann dringen in euch und wird euch leiten in alle Wahrheit.

In solcher Wahrheit erst werdet ihr gleich Meinem Leibe verwandelt werden in euren Herzen und in euren Seelen, und werdet euch selbst nehmen das ewige Leben aus der Überfülle Meines Geistes frei und unabhängig, und also werdet ihr erst wahrhaft Kinder Gottes werden, sein und bleiben für ewig.

Jetzt aber werdet ihr alle dazu erst vorbereitet und eingerichtet. Horchet auf Meine Stimme und höret Mein Wort! Niemand aber wird je zu Mir in Meinem Reiche kommen, wenn er nicht vom Geiste aus Mir gezogen wird! Wer aber ist der Geist? Dieser ist der Vater von Ewigkeit, der euch zu Mir hinziehen wird. Dieser Geist ist namenlos; aber sein Wesen ist die Liebe. Habt ihr diese, so habt ihr auch den Geist, – habt ihr aber den Geist, so habt ihr auch Mich; denn Ich, der Vater und der Geist sind Eines!

Darum bestrebet euch der Liebe zu Gott und der Liebe zum Nächsten, besonders zu jenen Allernächsten, die da arm sind und der Hilfe leiblich und geistig bedürfen, so werdet ihr mit dieser Liebe die Liebe zu Gott erwecken, besonders, so ihr dabei nicht sehet auf die Welt und ihr loses Urteil; denn wer aus euch sich der Welt wegen der armen Brüder und Schwestern schämen und sie fliehen wird, um bei der Welt in einem ehrsamen Rufe zu erscheinen, der wird von Mir auch nicht erkannt und angenommen werden!

Kurz, Ich sage es euch: Wer sich Meiner armen Brüder und Schwestern schämen wird der argen Welt wegen, dessen werde auch Ich Mich schämen! Wer aber Meinen Geist auch in den Armen anerkennen wird, den werde auch Ich anerkennen als Mein Kind für ewig! Das lasset euch alle gesagt sein! – Nun aber wollen wir drei Stunden lang eine stärkende Ruhe nehmen auf diesem Platze!“

 

 

 


Großes Ev, Joh. 4Band 1;4-12

Denn wahrlich sage Ich es euch: Niemand wird zu Mir kommen, so ihn nicht der Vater zu Mir hinziehen wird! Ihr müsset alle vom Vater, also von der ewigen Liebe in Gott gelehret sein, so ihr zu Mir kommen wollt! Ihr alle müßt also vollkommen sein, wie der Vater im Himmel vollkommen ist! Aber das viele Wissen, wie auch die reichlichste Erfahrung wird euch nicht dahin bringen, sondern allein die lebendige Liebe zu Gott und im gleichen Maße zum Nächsten; darin liegt das große Geheimnis der Wiedergeburt eures Geistes aus Gott und in Gott.

Jeder aber wird zuvor mit Mir durch die enge Pforte der vollsten Selbstverleugnung ziehen müssen, bis er wird, wie Ich bin. Ein jeder muß aufhören, für sich etwas zu sein, um in Mir alles werden zu können. Gott über alles lieben, heißt: in Gott ganz auf- und eingehen, – und den Nächsten lieben, heißt ebenfalls: in den Nächsten ganz eingehen, ansonst man ihn nie ganz lieben kann; eine halbe Liebe aber nützt weder dem, der liebt, noch dem, der geliebt wird.

Wenn du von einem hohen Berge die volle Aussicht nach allen Seiten hin haben willst, so mußt du in jedem Falle dessen höchste Spitze erklimmen; denn von einem unteren Höhenpunkte wird dir von der Ganzaussicht stets ein guter Teil verdeckt bleiben. Also muß denn auch in der Liebe alles und das Äußerste aus dem Innersten heraus geschehen, damit ihre Früchte an euch offenbar werden.

Euer Herz ist ein Acker, und die tätige Liebe ist das lebendige Samenkorn; die armen Brüder aber sind der Dünger für den Acker. Wer aus euch in den wohlgedüngten Acker viel der Samenkörner legen wird, der wird auch eine Vollernte machen. Mit je mehr Armen ihr den Acker düngen werdet, desto kräftiger wird er sein; und je mehr der guten Samenkörner ihr hineinlegen werdet, desto reicher wird die Ernte ausfallen. Wer da reichlich säen wird, der wird auch reichlich ernten; wer aber sparsam säen wird, der wird auch sparsam ernten.

Darin aber liegt die höchste Weisheit, daß ihr weise werdet durch die lebendigste Liebe. Alles Wissen aber ist ohne die Liebe nichts nütze! Darum bekümmert euch nicht so sehr um ein vieles Wissen, sondern daß ihr viel liebet, so wird euch die Liebe geben, was euch kein Wissen je geben kann! Es ist ganz gut, daß ihr drei die drei Stunden zur vielfachen Bereicherung eures Wissens und eurer Erfahrungen alleremsigst verwendet habt; aber alles das würde für sich eurer Seele wenig nützen. So ihr aber in der Folge die Zeit also emsig der Liebe zum Nächsten opfern werdet, so wird euch ein Tag schon von größerem Nutzen für eure Seelen sein!

Was nützete es euch vor Mir, so ihr euch nahe auflösen möchtet vor Verwunderung über Meine Macht, Größe und nie ergründbare Herrlichkeit, außerhalb eures Hauses aber weineten arme Brüder und Schwestern vor Hunger, Durst und Kälte? Wie elend und zu gar nichts nütze wäre ein lautes Jubel- und Lobgeschrei zur Ehre und zum Ruhme Gottes, über dem man das Elend des armen Bruders überhörete! Was nützen all die reichen und prunkvollsten Opfer im Tempel, wenn vor dessen Tür ein armer Bruder vor Hunger verschmachtet?

Darum sei euer Forschen vor allem nach dem Elend eurer armen Brüder und Schwestern gerichtet; denen bringet Hilfe und Trost! Da werdet ihr in einem Bruder, dem ihr geholfen habt, mehr finden, als so ihr alle Sterne bereist hättet und Mich gepriesen mit Zungen der Seraphim!

Wahrlich, Ich sage es euch, alle Engel, alle Himmel und alle Welten mit all ihrer Weisheit können euch nicht geben in Ewigkeit, was ihr erreichen könnet, so ihr einem Bruder, der im Elende war, wahrhaft geholfen habt nach aller eurer Kraft und nach allen euren Mitteln! Nichts stehet höher und näher bei Mir denn allein nur die wahre, tätige Liebe

 

 

 

 

 

 

 


Liebe und Weisheit

 

Großes Ev, Joh. 5Band 117;4-7

Wer Mich nicht als Gott erkennt, der kann Mich auch nicht als einen Gott wahrhaft über alles lieben! Hättest du Mich aber je als Gott erkennen können, so du von Mir nur rein menschliche Handlungen und Taten und Reden beobachtet hättest? Sicher nicht! Und wäre deine Liebe zu Mir so mächtig geworden, so du kein Göttliches an Mir entdeckt hättest?! Dadurch aber, daß Ich dich bloß nur mit aller Liebe und Neigung erfaßt hätte wie allenfalls ein Bräutigam seine Braut, hättest du nicht erfahren können, daß der Geist des allerhöchsten Gottes wohne und wirke in Rat, Wort und Tat in Mir, sondern Meine Weisheit und Meine Macht haben dir das erst verkündet, und es ist somit eben nicht ganz recht, so du Meine Weisheits- und Machtgröße ein erschrecklichstes Feuermeer nennest und der Meinung bist, daß damit die Menschen nie etwas zu tun haben sollen. Gerade das Gegenteil!

Die Menschen sollen mit aller Gier Mein Reich in allem und vor allem suchen und sollen sich als Meine werdenden Kinder stets mehr und mehr in ihres Vaters großem Hause in jeder Sphäre und Beziehung auszukennen anfangen. Dadurch werden sie dann auch in der wahren Liebe voll Demut wachsen, und sie werden dadurch am Vater, und der Vater auch an ihnen, eine stets größere, mit aller Liebe erfülltere Freude haben.

Wenn die Menschen also tun und leben werden ein wahres Leben in und durch Meine Weisheit, Liebe und Macht, dann werden sie auch ganz das sein, was sie alle eigentlich sein sollen. Sie werden dadurch erst als Meine wahren Kinder ebenso vollkommen werden, wie Ich da Selbst vollkommen bin, und werden dann Meine göttliche Weisheit, Macht und Größe nimmermehr als ein erschreckliches Feuermeer finden. Ich meine, daß dir das nun auch klar sein wird!

Doch aber sage Ich euch allen hinzu, daß ihr alle vorderhand die Völker nicht alles das lehren sollet, was Ich euch nun gezeigt habe. Lehret sie vor allem Gott erkennen und lebendig an Ihn glauben und Ihn lieben über alles! Alles andere wird ihnen nach dem Bedarfe der Geist selbst enthüllen.“

 

Großes Ev, Joh. 3Band 42;5-8

Die Seele ist ja nur ein Gefäß des Lebens aus Gott, aber noch lange nicht das Leben selbst; denn wäre sie das Leben selbst, welcher Ochse von einem Propheten hätte ihr je von der Erreichung des ewigen Lebens, wie umgekehrt von einem möglichen ewigen Tode etwas vorschwätzen können? Da aber die Seele erst auf dem Wege der wahren göttlichen Tugend zum ewigen Leben gelangen kann, wie solches durch gar viele Beispiele erwiesen werden kann, so kann sie ja doch unmöglich selbst das Leben, sondern nur ein Aufnahmegefäß für selbiges sein.

Nur ein Fünklein im Zentrum der Seele ist das, was man Geist Gottes und das eigentliche Leben nennt. Dieses Fünklein muß genährt werden mit geistiger Kost, die da ist das reine Wort Gottes. Durch diese Kost wird das Fünklein größer und mächtiger in der Seele, zieht endlich selbst die Menschengestalt der Seele an, durchdringt die Seele endlich ganz und gar und umwandelt am Ende die ganze Seele in sein Wesen; dann freilich wird die Seele selbst ganz Leben, das sich als solches in aller Tiefe der Tiefen erkennt.

Wenn sich das Leben alsogestaltig erst völlig erkennt und seiner selbst ganz klar bewußt wird, dann erkennt es die Weisheit aus dem Fundamente; aber solange das nicht der erwünschte Fall ist, kann von einer Weisheit keine Rede sein!

Die wahre Weisheit ist das Augenlicht des Geistes im Auge der Seele; wenn aber eine Seele noch fragt, was der Geist in ihr ist – woher soll ihr da das Licht des Geistes und alles Lebens in ihre ansonst stockblinde Sehe kommen?“

 

 

 


Großes Ev, Joh. 7Band 56;12

Wenn ein Mensch in seinem Herzen die Liebe zu Gott und zum Nächsten recht erweckt und fasset, so steigt er dadurch auf zur Weisheit oder zur rechten und tiefen Erkenntnis in allen Dingen. So ein Mensch aber solch eine Erkenntnis erlangt hat und Gottes unbegrenzte Liebe, Weisheit und Macht tiefer und tiefer erkannt und begriffen hat, so wird er voll Demut und voll der lebendigsten Liebe zu Gott. In diesem Falle steigt er dann wieder ins Herz, erleuchtet dasselbe noch heller und macht es glühender in der Liebe zu Gott.

 

 

 

 


Liebe und Glaube

 

Haush. Gottes 2 Band 215;8-10

Denn es genügt zum Leben bei weitem nicht, daß da jemand nur wisse, glaube und dann sage: ,Es ist ein Gott!‘ Wahrlich, solches ist nicht schwer! Aber um vieles schwerer und um vieles mehr sagend ist es, einen Gott über alles zu lieben, da man Ihn nicht sieht.

Wer somit Gott lieben will, der muß nicht nur wissen und glauben, daß Er sei, sondern er muß Gott wahrhaftig erkennen in sich; und wenn er Gott stets mehr und mehr erkennen wird durch sein emsiges Forschen nach Ihm in den Werken, so wird er Ihn ja auch stets mehr und mehr lieben müssen, indem er stets heller erkennen wird, daß Gott in Sich die allerhöchst reinste, das heißt, die alleruneigennützigste Liebe und die allerhöchste und allerheiligste Weisheit Selbst ist

 

 


Großes Ev, Joh. 5Band 213;2-5+8

Aber ganz verwerfen müsset ihr den Glauben nicht; ohne den würdet ihr viel mühsamer zum Ziele gelangen. Es gibt aber, wohl von selbst verständlich, einen zweifachen Glauben; der wahre Lichtglaube besteht vor allem aber darin, daß man einem wahrhaftigen und tieferfahrenen Menschen sich ohne welche Zweifel anvertraut im Gemüte und das von ihm Gesagte dann auch als eine volle Wahrheit annimmt, wenn man dessen Tiefen auch nicht auf den ersten Moment überklar einsieht.

Denn sieh, wer die höhere Rechenkunde erlernen will, der muß im Anfange seines Erlernens einmal alles glauben; erst nach und nach, wenn er schon so recht in den Wert der Zahlen und Größen eingedrungen ist, fängt ein Beweis um den andern an, ihm so recht hell und klar zu werden. Und sieh, also ist es auch hier!

Wenn dir ein überaus wahrhaftiger Mensch etwas aus dem Bereiche seiner Erfahrungen mitgeteilt hat, so kannst du das Vernommene anfänglich nur allein glauben, aber nach dem Glauben auch gleich auf die angezeigte Art tätig werden, und du wirst dann aus der Tätigkeit in jenes Licht selbsterfahrlich eindringen, das dir nie durch eine noch so geordnete mündliche Erörterung hätte erschaulich werden können.

Und so siehst du, daß man beim Anhören einer neuen Lehre den Glauben wenigstens anfangs nicht missen darf. Man kann die Lehren und ihre Gründe wohl sehr prüfen, – aber es gehört dazu, daß man sie zuvor auf Grund der Autorität der Wahrhaftigkeit des Lehrers als Wahrheiten hohen Wertes angenommen hat, auch ohne sogleiches Verständnis bis auf den Grund; denn dieses kommt erst mit der Erfüllung dessen, was die Lehre als Bedingung in sich selbst aufgestellt hat. Kommt es nicht zum Vorschein, da erst könnte man achselzuckend sagen: ,Entweder war die Lehre aus der Luft gegriffen, oder die gestellten Bedingungen sind von mir noch nicht völlig erfüllt worden!‘ Da ist es Zeit, sich mit dem Meister erst näher zu besprechen und Erkundigungen einzuholen, ob die getreue Beachtung der Grundsätze der neuen Lehre auch bei niemand anderm eine gehoffte Wirkung hervorgebracht hat.

 

 

 


Großes Ev, Joh. 5 Band 214;1-4

(Der Herr:) „Aber neben dem wahren, notwendigen Glauben gibt es leider gleichwohl auch einen Leichtglauben, demzufolge gewisse träge, gar nichts denkende Menschen gleich alles für wahr halten, was ihnen jemand oft sogar nur scherzweise vorgesagt hat, oder häufiger noch aus purem Eigennutze. Nun, derart Gläubige gibt es jetzt wohl bei weitem eine größte Anzahl auf der Erde!

Mit solchen Leichtgläubigen ist aber eigentlich auch nicht viel zu machen; denn ob sie durch ihren Glauben etwas erreichen oder nicht, das ist ihnen nahe eins. Sie glauben nur und verwundern sich dann und wann auch ganz gleichgültig darüber und tun auch äußerlich, aber ohne allen innern Lebenswert, was eine Lehre ihnen zu tun auferlegt; ob sie damit auch nie etwas, außer dann und wann eine Langweile, erreichen, das ist ihnen gleich. Sie sind zu träge, kennen und haben keinen Lebensernst und sind darum ganz jenen Ephemeriden zu vergleichen, die bloß darum am Tage im Sonnenlichte pro forma herumschwirren, damit sie von den Schwalben desto leichter als Fraß gefangen werden. Über solche Glaubenshelden wollen wir denn auch kein Wort mehr verlieren.

Aberglaube und Leichtglaube sind aber ohnehin gleich; nur darin ist ein Unterschied, daß der Aberglaube stets aus dem Leichtglauben entspringt und eigentlich eine Frucht desselben ist. Die unberechenbar argen Folgen, die aus dem Aberglauben entspringen, sind nun leider auf der ganzen Erde nur zu sicht- und fühlbar; alle tausendmal tausend Götzentempel hat der Aberglaube erbaut, und oft mit großen und schweren Opfern.

 

 

 


Erde und Mond_73,13

Kurz und gut: der allerfesteste Glaube ohne Werke ist gleich einem törichten Menschen, der sich im kalten Zimmer bloß mit einem warmen Gedanken zudecken will, um sich zu erwärmen. Freilich ist das wohl die wohlfeilste Decke; aber ob diese Decke jemanden erwärmen wird, Der Glaube ist nur das Aufnahmeorgan einer Lehre, die zu einer gewissen Tätigkeit anleitet. Wer diese Anleitung in seinen Glauben bloß aufnimmt, aber nicht darnach tut, da frage Ich: Wozu dient ihm dann diese Anleitung? Ich sage: Zu nichts anderem als zu einem naseweisen Kritisieren,........

Also ist Mir auch eine solche Kirche lieber, wo doch noch etwas geschieht, als wie eine, wo nichts geschieht; denn es ist besser, jemandem ein Stück Brot zu geben, als tausend Pläne für Armenversorgung zu machen und dem Armen aber dennoch nichts zu geben, wenn er zu einem solchen Plänemacher kommt. Pläne sind schon recht; aber das Geben muß auch dabei sein, – sonst ist der Glaube wieder ohne Werke, bei dem die arme Menschheit zu Hunderten verhungert.

Wer aber recht leben will, der kann es in jeder Kirche; denn eine Hauptregel ist: Prüfet alles, und das Gute davon behaltet! Wenn ihr ein Kind gebadet habt, so schüttet bloß das Badewasser weg, das Kind aber behaltet, – und das Kind ist die Liebe!

Ich sage zu niemandem: Werde ein Katholik oder werde ein Protestant oder werde ein Grieche, sondern: was einer ist, das bleibe er, wenn er will. Sei er aber was er wolle, so sei er ein werktätiger Christ, und das im Geiste und in der Wahrheit; denn jeder kann, wenn er es will, das reine Wort Gottes haben.

Ich bin nicht wie ein Patriarch und bin nicht wie ein Papst und bin nicht wie ein Generalsuperintendent und nicht wie ein Bischof, – sondern Ich bin wie ein überaus guter und gerechtester Vater allen Meinen Kindern und habe nur Freude daran, wenn sie tätig sind und wetteifern in der Liebe, aber nicht daran, daß sie einander „Narren“ schelten und ein jeder aus ihnen der Weiseste und Unfehlbarste sein will – mit lauter Räsonieren, aber dabei nichts tut.

Mein Reich ist ein Reich der höchsten Tatkraft, aber kein Reich eines müßigen, naseweisen Faulenzertums; denn Ich sagte zu den Aposteln nicht: „Bleibet daheim, denket, brütet und grübelt über Meine Lehre nach!“, sondern: „Gehet hinaus in alle Welt!“ Dasselbe sage Ich auch zu allen Seligen. Da heißt es tätig sein; denn immer ist die Ernte größer als die Zahl der Arbeiter. Darum ist es auch besser, in irgendeiner Ordnung tätig zu sein, als bloß allein des reinsten Glaubens zu sein. Und tätig sein nach Meiner Lehre ist dann sicher unendlich besser, als die ganze Bibel auswendig zu wissen und zu glauben.

Der bloße Glaubensmensch ist dem gleich, der sein Talent vergrub; wenn aber jemand aus der Schrift nur wenig weiß, aber darnach tut, der ist dem gleich, der über das Wenige eine treue Haushaltung führte und dann über vieles gesetzt wird.

 

 

 

 

 


Liebe und Seligkeit

 

Großes Ev, Joh. 4Band 95;1-7

(Der Herr:) „Durch das Dienen wird die Demut am meisten geübt und gefördert, je untergeordneter oft ein Dienst erscheint, desto tauglicher ist er für die wahre Ausbildung des Lebens. Die Demut selbst aber ist nichts als das sich stets mehr und stärker Kondensieren des Lebens in sich selbst, während der Hochmut ein stets lockereres Gestalten und sich ins Endloseste hin auseinander Zerstreuen und am Ende nahe gänzliches Verlieren des Lebens ist, was wir den zweiten oder geistigen Tod nennen wollen.

Im Hochmute hat alles Dienen ein Ende genommen und somit auch alle weitere Fort- und Ausbildung des Lebens. Wäre im hochmutsvollen Herrschen über die andern des Lebens Ausbildung bedungen, so würde von Mir sicher eine solche Ordnung getroffen sein, daß ein jeder Mensch irgendein unbeschränktes Recht zum Herrschen hätte; da aber das Meiner ewigen Ordnung zuwider ist, so muß ein jeder Mensch und Engel zum Dienen sich bequemen und am Ende eben im ewigen, stets mehr und ausgebreiteteren Dienen die größte Wonne und Seligkeit finden.

Ohne Dienen gibt es dann eigentlich gar kein Leben, keine haltbare Dauer desselben, kein Glück, keine Glückseligkeit und keine Liebe, keine Weisheit und keine Wonne des Lebens weder hier noch jenseits; und wer sich einen Himmel voll Dienstlosigkeit, voll Trägheit und voll müßiger Schwelgerei denkt, der irrt sich groß!

Denn ebendarum bekommen die seligsten Geister der höchsten Himmel eine Mir nahe gleiche Kraft und Gewalt, um Mir und allen Menschen hier schon auf dieser Lebensprobewelt desto gediegenere Dienste leisten zu können. Wozu würde ihnen sonst wohl der Besitz einer sogar schöpferischen Kraft und Gewalt dienlich sein?! Braucht man wohl zum Nichtstun eine Kraft und eine Weisheit?! Ist ihre Tätigkeit und Dienstleistung von einer für euch unbeschreibbaren Wichtigkeit für diese Erde schon, wie groß muß sie sein in ihrer Wichtigkeit für die Geisterwelt, und aus der für die ganze Unendlichkeit!

Ich kam ja auch nicht darum zu euch, um aus euch Müßiggänger zu zeihen oder euch bloß für den Ackerbau, für die Viehzucht und dergleichen mehreres zu bilden, sondern um aus euch tüchtige Arbeiter für den großen Weinberg der Himmel zu erziehen. Meine Lehre an euch alle ist dahin abgezielt, um fürs erste euch selbst im Gebiete eures inneren Lebens wahrhaft zu vollenden, und fürs zweite, daß ihr dann selbst als Lebensvollendete Mir schon hier und ganz besonders einstens drüben in Meinem Reiche die tüchtigsten und kräftigsten Arbeiter abgeben möchtet und sollet.

Würde dies nicht Meine Endabsicht sein, und Ich sagete zu euch: ,Seid nur hier tätig; einstens drüben in Meinem Reiche werdet ihr dann bei bestem Saus und Braus in alle Ewigkeit vollauf ruhen können und angaffen alle die Herrlichkeit Gottes!‘, so müßte Ich Selbst blöder sein als irgendein Blödester aus euch. Ja, ihr werdet wohl Gottes Herrlichkeiten ewig anzustaunen haben, aber ohne Tätigkeit nicht; denn an eurer Tätigkeit wird es ja eben liegen, die Wunder der Himmel zu mehren und sie stets herrlicher und göttlicher zu machen!

Ich will es, daß von nun an alle Meine Gedanken und Ideen durch euch, Meine Kindlein, erst ins vollste Werk gesetzt werden, hier schon für Seele, Herz und Geist eurer Brüder und Schwestern, und jenseits aber in alle die großen Wirklichkeiten von ihrer innersten geistigen Entstehungssphäre bis zu ihrer alleräußersten materiellen Ausbildung, und von da zur abermaligen Rückführung ins gemehrte, rein und selbständig geistige, vollendete Leben. Und dazu, Freunde, wird unendlich viel Zeit, Geduld und eine große Tätigkeit erforderlich sein und eine ebenso große und allumfassende Weisheit und Kraft!“

 

 

 


Großes Ev, Joh. 3Band 238;5-8

Gott erfüllte deshalb den unendlichen Raum mit zahllosen Werken, die Seiner endlosen Weisheit und Macht entsprechen, und erschuf denkende und auch mit vieler Weisheit begabte Wesen. Diese, stets im höchsten Grade ergriffen von solcher Weisheitstiefe und Macht in Gott, forschen und bewundern in einem fort die göttliche Weisheitstiefe und Macht des einen Schöpfers und werden bei jeder neuen Enthüllung wieder zur Bewunderung und Anbetung und zur intensivsten Liebe hingerissen!

Nun, dies einzige muß für Gott die eigentliche Seligkeit sein! Für Ihn als den Schöpfer und Vater der Engel, Welten, Menschen und Kinder muß dies allein die größte Wonne sein, alle jene, die Ihn und Seine Worte stets mehr und mehr erkennen und lieben, auch stets seliger zu machen!

Um für uns Menschen dieser Erde, für euch Engel aller Himmel und für alle Geschöpfe der ganzen Unendlichkeit eine desto größere Seligkeit zu bereiten, kam Er Selbst als ein Mensch zu uns auf diese Erde, um Sich uns förmlich als Selbst Mensch mit Fleisch und Blut wie ein Mensch dem andern zu offenbaren. Freund, Wesen oder Engel von Ewigkeit, oder Mensch wie ich es bin, das tut der Herr nicht nur unsertwegen, das tut Er auch Seinetwegen; denn Er müßte mit den Zeiten vor Langerweile vergehen, so Er mit Seiner Allwissenheit denn doch in Sich höchst klar gewahren müßte, daß Er als eine im höchsten Grade formlose, ewige, wenn auch vollendetste Intelligenz von Seinen Geschöpfen nie geschaut und noch weniger angesprochen werden könnte und somit auch unerkannt bleiben müßte!

Wäre es denn nicht im höchsten Grade traurig für einen irdischen Vater, so er zum Beispiel zwanzig Kinder von großer Lieblichkeit hätte, alle aber wären Blinde und Taube, mit denen der liebevollste Vater nie ein Wort reden und sich ihnen auch als Mensch nicht zeigen könnte?! Stelle man sich solch ein Verhältnis nur so recht lebendig vor: einen überaus wohlhabenden Vater mit zwanzig der Gestalt nach gar wunderschön gebildeten Kindern beiderlei Geschlechts, aber alle taub und blind! Frage: Würde solch ein Vater nicht die größten Summen darauf verwenden, um seine sonst gar so lieben Kindlein hörend und sehend zu machen?! Welche Trauer aber wird er empfinden, so es dafür in der ganzen Welt kein Mittel gäbe, um seine Kinder hörend und sehend zu machen?!